Wappenrolle

Es gibt in Deutschland einige gemeinnützige Heraldikvereine mit Wappenrollen. Die deutsche Wappenrolle wird z. B. vom Verein Herold veröffentlicht. HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin e. V. wurde 1869 gegründet und heute durch ehrenamtliche Mitarbeiter als gemeinnütziger Verein anerkannt.

Auf Antrag könnenn in die Deutschen Wappenrolle (DWR) bürgerliche und adlige Wappen gegen eine Gebühr registriert werden. Bestätigt wird der Eintrag mit einer Urkunde inklusive Abbildung des Wappens. Veröffentlicht wird die Wappenrolle über eine eigene Buchreihe.

Der Herold bietet auch Seminare über Grundlagen der Heraldik und heraldische Gestaltungsgrundsätze an, in denen der Abschlusses als „Geprüfter Heraldiker (HEROLD)“ erworben werden kann.

Neben dem Herold Berlin, gibt es z. B. Kleeblatt/ Partnerverein des 1./ Wappenlöwe, Prignitz Herold (Roland Wappenrolle), Münchner Wappen-Herold und viele mehr. Des weiteren gibt es Heraldikfirmen, welche Wappenrollen führen und viele Personen im Netz (z.B. Cunow).

Verschiedene Wappenrollen belegen Wappen – historische wie moderne

Die Familien- und Adelswappen gehen auf bemalte Schilde zurück und waren etwa ab dem 10. Jahrhundert wichtig. Zuerst waren es Fürsten und Adelshäuser, diese Schilde als Erkennungszeichen in Schlachten, bei Kreuzzügen und im Turnier führten. Später legten sich immer mehr kleinere Adelshäuser, unbedeutende Ritter und sogar Privatpersonen aus dem Bürgertum eine Schildbemalung zu. Es galt nun als Nachweis der Herkunft, des sozialen Aufstiegs. Dementsprechend wurden Erbwappen und Familienwappen immer wichtiger.

Herolde waren die mittelalterlichen Who’s Who des Adels

Viele Adelige und Ritter waren Analphabeten. Das war nichts Ehrenrühriges, sondern zu der Zeit einfach normal. Trotzdem wurden Botschaften geschickt, Verträge schriftlich festgehalten, Dokumente ausgetauscht. Damit eine hochgestellte Person überhaupt wusste, von wem die Korrespondenz stammt, wer auf dem Vertrag unterzeichnet oder um welche Personen es sich handelt, wurden die Identitäten in Form eines Wappens in Siegel gefasst. Die Familien- und Erbwappen waren simpel gestaltet, mit verschiedenen festgelegten Tieren oder Pflanzen und anderen Symbolen versehen und hatten dementsprechend einen hohen Wiedererkennungswert. Der Adel hatte natürlich nicht alle Wappen Europas im Kopf. Das war Aufgabe des Herolds. Der erkannte die jeweils sehr individuellen Bilder wieder, konnte die einzelnen Bestandteile jedes Wappens lesen und seinen Herren (seltener seine Herrin) über die Bedeutung und die Identität des Senders oder der Senderin aufklären. Die Herolde waren also so eine Art wandelndes Personenregister. Treffend, wenn sich heute der größte Wappenverein Deutschlands Herold e.V. nennt.

Wappenrollen ab dem 13. Jahrhundert

Die ersten Wappenrollen auf Pergament tauchen im 13. Jahrhundert auf. Damals waren die Pergamente mit den Personenverzeichnissen und den dazu gehörenden Wappenbildern tatsächlich noch gerollt. Später wurden die Verzeichnisse dann in Buchform angelegt, aber immer noch als Wappenrolle bezeichnet. Heute sind viele der Wappenrollen und -bücher digitalisiert, so dass Die verschiedenen Familien- und Erbwappen auch online eingesehen werden können. Trotzdem spricht man bei diesen Archiven immer noch von Wappenrollen.

Ab dem 19. Jahrhundert wurden die mittelalterlichen Wappensammlungen analysiert und ausgewertet. Unterschieden wurde ab da in Sammlungen, die nur die Wappenbeschreibungen enthalten und vielleicht noch die dazugehörenden Namen, und solche Sammlungen, die mehr Informationen geben und womöglich eine Abbildung der einzelnen Wappenbilder enthalten.

Heute zahlreiche Sammlungen

Der Herold e.V. wurde bereits erwähnt. Das ist der größte Wappenverein Deutschlands, und er hält mit der Deutschen Wappenrolle ein 78bändiges Werk. Aufgeführt sind Familien- und Erbwappen historischer Art, aber auch moderne Familienwappen werden aufgenommen. Sie müssen ordnungsgemäß gestiftet werden und werden vom rein vor Aufnahme nach heraldischen, juristischen und genealogischen Gesichtspunkten überprüft. Wird ein Familienwappen in die Wappenrolle eingetragen, wird zeitgleich eine Urkunde inklusive Wappenbild erstellt, die das zertifiziert.

Die Niedersächsische Wappenrolle wird vom Verein Zum Kleeblatt e.V. gehalten. Sie ist die Fortsetzung der ehemals vereinseigenen Wappenrolle, die seit dem Jahr 1906 existiert. Der heraldische Verein hat den gleichen Gründungsvater wie der Herold e.V., Geheimrat Friedrich Warnecke, und arbeiten traditionell zusammen. Sie können als Schwestervereine betrachtet werden.

Die Hessische Wappenrolle wird vom Verein Hessische familiengeschichtliche Vereinigung e.V. gehalten. Der Verein wurde 1921 in Darmstadt gegründet und hat sich der Genealogie und der Heraldik verschrieben. Er unterhält eine Geschäftsstelle im Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt, eine umfangreiche Bibliothek sowie ein großes Archiv. In die Wappenrolle des Vereins werden nur die Hessischen Familien- und Adelswappen aufgenommen.

Drei kleinere und nicht ganz so bedeutende Wappenvereine unterhalten darüber hinaus noch eine jeweils eigene Wappenrolle: Der Verein Der Wappen-Löwen e.V. mit der Wappenrolle des Wappenlöwen, der Münchner Wappen Herold e.V. mit der Wappenrolle Münchner Herold und der Wappen-Herold e.V. mit der ADW, der Allgemeinen Deutschen Wappenrolle, sind weit weniger bekannt. Die Vereine unterhalten nichtsdestotrotz ihre jeweils eigenen Wappenrollen und tragen somit zum Erhalt der geschichtlichen Hilfswissenschaft der Heraldik und Wappenkunde bei.

1 Gedanke zu “Wappenrolle

  1. Guten Tag,
    ich möchte ihr Augenmerk darauf richten, es gibt in Deutschland eine Reihe von gemeinnützigen Heraldikvereinen mit Wappenrollen:z.B. Herold Berlin, Kleeblatt/ Partnerverein des 1./ Wappenlöwe, Prignitz Herold( Roland Wappenrolle), Münchner Wappen-Herold usw.
    Es gab zu keinem Zeitpunkt nur einen sondern immer mehrere Vereine. Dazu gibt es noch Heraldikfirmen, die Rollen führen und immer mehr ” Einzelkämpfer ” auch im Netz( Cunow z.B.)
    Viel Erfolg
    Ingo Bodin

Kommentare sind geschlossen.